Zwei erhobene Fäuste ziehen den Blick auf sich. Ein Abzeichen lädt zum genaueren Hinsehen ein. Am 16. Oktober 1968 standen bei der Siegerehrung über 200 Meter der Männer in Mexiko-Stadt drei Läufer auf einem olympischen Podium. Der Amerikaner Tommie Smith hatte Gold gewonnen, der Australier Peter Norman Silber und der Amerikaner John Carlos Bronze. Das Rennen hatte diese Reihenfolge bestimmt. Was folgte, gab ihr eine andere Bedeutung.
Ein Protest während der Hymne
Während der US-Nationalhymne senkten Smith und Carlos die Köpfe und hoben jeweils eine schwarz behandschuhte Faust. Die Darstellung des Australischen Olympischen Komitees ordnet die Geste dem Kampf für Gleichberechtigung unabhängig von der Hautfarbe zu. Die Siegesfeier ihres Landes wurde zum Schauplatz einer Forderung, die ihre Medaillen allein nicht ausdrücken konnten.
Norman trug wie die beiden Amerikaner ein Abzeichen des Olympic Project for Human Rights, eines Projekts für Menschenrechte im olympischen Sport. Die Organisation setzte sich für Menschenrechte im Sport ein. Seine Solidarität war sichtbar, ohne dass er ihre Geste wiederholte. Ihn als bloßen Zuschauer zu behandeln, blendet eine bewusste Entscheidung aus dem Foto aus.
Das australische National Film and Sound Archive nennt John Dominis als Fotografen des von ihm besprochenen Bildes. Es erklärt ein weiteres Detail: Smiths fehlende Laufschuhe symbolisierten die Armut unter Afroamerikanern. Es waren wohlüberlegte Symbole, keine zufälligen Einzelheiten einer Siegerehrung.
Was die Athleten sagten und was danach geschah
In einem 2021 vom Smithsonian American Art Museum veröffentlichten Interview beschrieb Smith seine Aktion als Einsatz für alle Menschenrechte. Den erhobenen Arm verband er mit Stolz und Zusammengehörigkeit. Seine spätere Erklärung ist wichtig: Neben den Deutungen, die sich um sein Bild angesammelt haben, gibt sie dem Athleten selbst eine Stimme.
Smith und Carlos wurden nach Hause geschickt. Darstellungen von Normans späterer Behandlung erfordern mehr Vorsicht. Das audiovisuelle Archiv beschreibt inoffizielle Sanktionen und Ausgrenzung; das Australische Olympische Komitee führt seine verpasste Chance von 1972 auf eine Verletzung und den dritten Platz bei den nationalen Meisterschaften zurück. Diese Berichte liefern keine einzige, unbestrittene Erklärung dafür, warum er an keinen weiteren Olympischen Spielen teilnahm.
Eine Freundschaft über das Foto hinaus
Norman war für seine Silbermedaille 20,06 Sekunden gelaufen. Der Protest sollte die Leistung, die ihn auf das Podium brachte, nicht verdecken. Als er 2006 starb, halfen Smith und Carlos, seinen Sarg zu tragen. 2018 verlieh ihm das Australische Olympische Komitee posthum einen Olympischen Verdienstorden.
Das Bild wurde auch zum Ausgangspunkt für Kunst. Glenn Kainos Bridge, vom Smithsonian auf 2013–2014 datiert, reiht Abgüsse von Smiths Arm aneinander. Achtundfünfzig Jahre nach Mexiko-Stadt verbindet der erneute Blick auf die drei Athleten das vertraute Foto mit individuellen Entscheidungen: zwei erhobenen Fäusten und dem Abzeichen daneben.
Quellen: Smithsonian: Interview mit Tommie Smith; Australisches Olympisches Komitee: Peter Norman; Australisches National Film and Sound Archive; Australisches Olympisches Komitee: Mexiko-Stadt 1968.



